Nierhof

Vor 1600 ist in mehreren Urkunden das Franzes Gut zu Niederhof bezeugt. 1599 kaufte Joh. Reusche gen. Meyworm von dem minderjährigen Godert, Sohn des Franz zu Albringhausen, die 2. Hälfte des Niederhofes an, dessen andere Hälfte er schon vorher erworben hatte. Wahrscheinlich war Johann der Schwiegervater von Georg Langenohl, der 1648 als Besitzer des Erbgutes genannt ist. Er hatte dem Gogericht Attendorn für Bedde, Dienst- und Herrengeld 11 Kopstück, 9 olpische Viertel Hafer und 2 Hühner zu entrichten. Georgs Nachfolger wurde der Sohn Johann Langenohl. Letzter Besitzer des großen Gutes war Gottfried Langenohl, der gegen Ende des 1. Weltkrieges sich veranlaßt sah, das Gut zu veräußern. Neuer Erwerber wurde der Lederfabrikant Richard Lütticke in Olpe, der diesen Besitz 1925 an die Eisenbahnverwaltung veräußerte, die den Gutshof als Erholungs- und später als Schulungsheim verwandte.

Im Giebel des Gutshauses zieren die Balken folgende Inschriften:

1. SANCTA AGATHA ORA PRO NOBIS

2. O DEVS A TECTIS POENAS AVERTE FVTVRAS NEC MINUS HOSPITIO LARGIOR ESTO PARENS

3. HAE AEDES POSITAE SVNT A CASPARO LANGENOHL ET ANGELA STVPERICH CONIVGIBVS ANNO A PACE TESCHENSI SECVNDO QUINTA IUNII

1., 2. und 3. bilden je eine Zeile, 2. und 3. je ein Chronogramm, worin die erhöhten lateinische Buchstaben die Zahl 1780 (Jahr der Errichtung) ergeben. Auf deutsch:

1. Heilige Agatha, bitte für uns.

2. O Gott, vom Hause wende ab zukünftige Strafen, und nicht minder sei der Herberge ein recht milder Vater. (Neben dem Gutshof stand die Herberge für Reisende und Fuhrleute der Heidenstraße)

3. Diese Haus ist errichtet von den Eheleuten Kaspar Langenohl und Angela Stuperich im 2. Jahre nach dem Frieden von Teschen am 5. Juni. (Der Teschender Friede beendete am 13.5.1779 den Bayrischen Erbfolgekrieg zwischen Friedrich dem Großen und Maria Theresia.)

In der vorgenannten Herberge zu Nierhof hat der Fuhrmann Franz Simon-Clute aus Allendorf Mitte Oktober 1794 mit dem Schrein und den Gebeinen der Hl. 3 Könige übernachtet. Er hatte sie vom Kölner Dom geholt, um sie im Kloster Wedinghausen (Arnsberg) vor den französischen Revolutionstruppen in Sicherheit zu bringen.

Unterhalb des Nierhofes steht die Nierhofer Mühle mit Bäckerei, die bis 1939 zum Gute Nierhof gehörte.